„Jedes Jahr aufs Neue bin ich überwältigt und fasziniert von den Ideen und den Initiativen“

Das Jurymitglied Prof. Dr. Anja Mihr hat das Projekt Studieren ohne Grenzen (Engagementpreis-2013) präsentiert. Warum zur Arbeit von Studieren ohne Grenzen Mut gehört, erläutert sie in ihrer Laudatio.

Es ist mir eine ganz besondere Freude, die Initiative und den Verein Studieren Ohne Grenzen vorzustellen und ihren Mut und ihre Engagement zu würdigen. Als Dozentin für Menschenrechte bin ich seit Jahren im so genannten ‚ International Education Business‘ tätig und arbeite viel in Ländern, in denen junge Menschen mit guten Ideen und dem Wunsch nach mehr an Bildung, kaum oder keine Chance haben ein Hochschulstudium zu absolvieren. Ihnen wird entweder der Zugang zur Universität aus wirtschaftlichen Gründen verwehrt, oder es tobt gerade ein Krieg oder gewaltsamer Konflikt in ihren Ländern. Manchmal verlässt man solch ein Land und denkt nur, dass dies wieder eine jener lost generations ist, an denen man nichts gut machen kann, da ihnen der Zugang zu höherer Bildung, und damit auch ein grundlegendes Menschenrecht verwehrt bleibt, den ein Ende der Krise und des Konflikts in ihren Ländern ist nicht in Sicht. 

Genau dies versucht Studieren Ohne Grenzen zu ändern. Die Initiative, die bereits auf einige Jahre guter Erfahrung in Deutschland und Europa zurückblickt, möchte sich neu aufstellen und international werden. Studierende an Hochschulen in aller Welt sollen eine Art ‚Patenschaft‘ für Studierende in Ländern übernehmen, in denen ihnen der Zugang zur Universität aus den genannten Gründen schwerfällt. Sie wollen vor Ort die Qualität der Bildungseinrichtungen verbessern und die Chancen für den Zugang von Menschen erweitern, die sonst keine Chancen hätten. Die Studierenden engagieren sie ehrenamtlich an deutschen, europäischen und bald auch weltweit an Hochschulen, indem sie Studierwillige in Krisenregionen auswählen, ihnen vor Ort Zugangsmöglichkeiten, z.B. Stipendien oder Nachqualifikation in IT oder Englisch, ermöglichen…oder, falls dies aufgrund eines Kriegszustandes nicht möglich ist, besorgen sie diesen Studierenden auch ein Stipendium in Europa, so dass sie hier ihr Studium absolvieren können.

Solch ein Einsatz ist nicht nur sehr beeindruckend – sondern auch förder- und unterstützenswert in jeder Hinsicht. Und genau dies ist heute der Anlass für die Würdigung durch den Engagementpreis 2013 des FES Ehemaligen Vereins.

Ich gehöre diesem Verein seit Jahren an und habe durch meine Jurytätigkeit das Vergnügen gehabt viele Bewerber und Preisträgerinnen kennenzulernen. Jedes Jahr aufs Neue bin ich überwältigt und fasziniert von den Ideen und den Initiativen, die sich Menschen weltweit immer wieder ausdenken, wie sie sich für und mit anderen für einen Wandel und ‚ ein bessere Welt‘, einsetzen können. Aber noch faszinierender ist es, dass alle Preisträgerinnen bislang, dies auch haben umsetzen können. Und noch eine interessante Beobachtung möchte ich mit Ihnen teilen, nämlich dass wir in den letzten Jahren sehen konnten, dass Projekte und Ideen, die darauf beruhen, dass sowohl die Geber- und Initiatoren als auch die Nehmerseite gleichberechtigte Partner sind und somit dauerhaft in die Weiterentwicklung der Projektidee einbezogen werden, langfristig erfolgreicher sind. Sie sind erfolgreicher als Programme, in denen es allein darum geht ‚etwas Gutes zu tun‘ im Sinne von Wohltaten und Charity. Dies nur am Rande. ...aber es bleibt spannend diese Entwicklung weiter zu beobachten.

Somit bin ich auch bei Studieren Ohne Grenzen davon überzeugt, dass diese faszinierenden Idee und das Engagement der Studierenden weltweit, Menschen anderenorts ein Studium zu ermöglichen, gelingen wird. Warum bin ich davon überzeugt? Weil mich das Vorgehen der Initiative überzeugt hat, nämlich jene Studierwillige oder Studenten in Krisenregionen auszuwählen, die wirklich bedürftig sind, die bereits Projektideen haben, wie sie vor Ort etwas zur nachhaltigen Entwicklung ihres Landes beitragen können und die ihrerseits durch ihr ehrenamtliches Engagement bereits eine hohe Motivation und viel Mut bewiesen haben, denn sie für ihren Erfolg brauchen. Es ist sicherlich nicht leicht in einem krisengeschüttelten Land, den Anspruch einer akademischen Ausbildung aufrechtzuerhalten und zugleich Ideen zu verwirklichen, die langfristig zu dieser Krisenbewältigung beitragen.

Daher nochmals meine allergrößte Anerkennung für den Mut aller an dieser Initiative beteiligten Personen, den Initiatoren von Studieren Ohne Grenzen sowie den weltweit Studierenden, die darin mitwirken.

Meinen herzlichsten Glückwunsch zu diesem Preis!

Weitere Informationen zu Studieren ohne Grenzen:

Engagementpreis-2013

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