„Ich verbeuge mich vor einer großartigen Idee und einem herausragenden Engagement“

Das Beiratsmitglied Dr. Kai Gniffke hat die Laudatio zur Initiative Schlüsselmensch (Engagementpreis-2013) gehalten. Lesen Sie, was ihn besonders berührt und welche Schwierigkeiten er sieht.

Es ist schon mehr als 20 Jahre her, dass mir die Friedrich-Ebert-Stiftung die letzte Rate überwiesen hat. Und noch heute bin ich dankbar, dass ich diese Chance bekam, und noch heute teile ich die Idee, Menschen zu helfen und Chancen zu eröffnen, denen die Dinge nicht von Haus aus in die Wiege gelegt wurden. Mittlerweile bin ich bei der Tagesschau gelandet. Und in gewisser Weise hat die Tagesschau eine Menge mit dem Engagementpreis zu tun, denn sie teilt dasselbe Ziel. Wir alle, die wir für die Tagesschau arbeiten, möchten diese Gesellschaft jeden Tag mit relevanten Informationen versorgen, um damit die Basis schaffen für Partizipation, Engagement und Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Man wirft uns ja gelegentlich vor, die Tagesschau bringe immer nur schlechte Nachrichten. Umso mehr freue ich mich, dass ich heute gute Nachrichten für Sie habe: Die Vorstellung der Initiativen für den Engagementpreis 2013. Ich darf Ihnen eine Gruppe von jungen Leuten vorstellen, die sich uneigennützig für unterprivilegierte Menschen einsetzt: die Initiative „Schlüsselmensch“ aus Freiburg im Breisgau. Ihre Idee erscheint auf den ersten Blick ganz einfach und erweist sich im Alltag als ungemein wirkungsvoll. Es geht um Kinder in Asylbewerberunterkünften. Menschen, die nur selten in unseren Nachrichten vorkommen, und dann nur, wenn die Situation wie in Hellersdorf eskaliert und wir die Flüchtlinge als verstörte und ängstliche Wesen wahrnehmen. Ansonsten sind Flüchtlinge meist unsichtbar, irgendwo untergebracht in Sammelunterkünften am Stadtrand, ausgegrenzt, ohne Anschluss an das „normale“ Leben und ohne Chance, das eigene Schicksal zu gestalten. Schlüsselmensch möchte das ändern, möchte die Flüchtlingskinder in die Mitte der Gesellschaft holen. Das ist der Anspruch und dafür vermittelt Schlüsselmensch Patenschaften. Die Paten, das sind Studierende aus Freiburg, die Patenkinder sind die Kinder aus Asylbewerberunterkünften. Die Paten kümmern sich um schulische Dinge, helfen beim Lernen und den Hausaufgaben. Sie gestalten gemeinsam die Freizeit, treiben Sport und machen Ausflüge. Für die Familien der Kinder werden die Paten zugleich eine wichtige Hilfe im Alltag etwa bei Behördenangelegenheiten oder Arztbesuchen.

Ich stelle mir das wahnsinnig schwer vor, diese erste große Schwelle zu überwinden und mit ganz fremden Menschen in Kontakt zu kommen, deren Sprache man unter Umständen nicht einmal beherrscht und deren rechtliche Situation unklar ist. Für die Flüchtlinge selbst, oft traumatisiert, ist es mindestens genauso schwer, Vertrauen aufzubauen, denn viele von ihnen haben mit angeblichen „Helfern“ in der Vergangenheit sicher nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Schließlich vertrauen die Flüchtlingsfamilien den Paten ihre Kinder an. Um das hinzubekommen, bedarf es bei den Schlüsselmenschen Mut, Respekt und Sensibilität. Die nötige Kompetenz muss bei den Paten nach und nach entwickelt werden.

In ihrer kurzen Geschichte hat die Initiative Schlüsselmensch schon eine Menge erreicht. 20 Patenschaften sind entstanden und das Interesse und der Bedarf an weiteren Patenschaften sind riesengroß. Doch mehr als die reinen Zahlen berühren mich die scheinbar kleinen Erfolge, die dieses Projekt so groß machen:

Denis konnte von der Förderschule an die Hauptschule wechseln.

Ariana kann mittlerweile fast perfekt deutsch.

Laura konnte von der Sammelklasse in die zweite Grundschulklasse wechseln.

Elvis ist jetzt Stürmer in einem Fußballverein.

Ich verbeuge mich vor der Initiative Schlüsselmensch, vor eine großartigen Idee und einem herausragenden Engagement. Ich bin glücklich, dass es Eure Initiative gibt und ich sie heute beim Engagementpreis vorstellen darf.

Weitere Informationen zur Initiative Schlüsselmensch:

Engagementpreis-2013

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