Generationswechsel im Vorstand von querstadtein

Die Kluft zwischen Obdachlosen und dem Rest der Gesellschaft war für Katharina Kühn und Sally Ollech so augenscheinlich, dass sie endlich einmal „etwas ganz Konkretes“ schaffen wollten. Das ist ihnen mit querstadtein gelungen. Nun übergeben sie nach vier Jahren die Vorstandstaffel an die nächste Generation. Herzlichen Glückwunsch!

Die ausgefransten Ränder der Gesellschaft sind allgegenwärtig sichtbar und doch so leicht zu ignorieren. querstadtein setzt da an, wo Obdachlose leben und wir alle uns täglich begegnen: auf der Straße. Durch Stadtführungen von (ehemals) obdachlosen Menschen wird Berlin aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet und der Raum für einen Dialog auf Augenhöhe geschaffen. Seit 2013 bekommen Besucher die Möglichkeit, mit eigenen Augen die Lebensrealität der Obdachlosen zu erfassen und Erfahrungen aus erster Hand zu lauschen.

Die Resonanz auf das Angebot war schon bei der ersten Führung riesig und mit seinem Netz aus Partnern gelang es querstadtein, ein halbes Jahr nach der ersten Führung noch eine zweite Route anzubieten. Schon ein Jahr nach der Gründung war die Nachfrage so groß, dass im März 2014 eine Vollzeitstelle besetzt wurde. Die Präsentation, die querstadtein zur Engagementpreisverleihung 2014 hielt, gibt einen Einblick in die Herausforderungen eines jungen und erfolgreichen sozialen Projekts:

Ehren amt zu Hauptamt

In querstadtein-Führungen stellt sich immer wieder die Frage nach der Nutzung des öffentlichen Raums. Einen trockenen, warmen und sicheren Schlafplatz zu finden, ist für Obdachlose eine täglich neue Herausforderung. Unterführungen, Bahnstationen und Bushaltestellen werden notgedrungen zweckentfremdet – freilich nur so lange, wie Sicherheitspersonal oder Polizei nicht ihres Amtes walten.

Die Führungen machen klar: die Stadt gehört uns allen! Dieses „Alle“ ist gerade in den letzten Jahren noch gewachsen durch Menschen, die aus unterschiedlichsten Ländern nach Deutschland und insbesondere nach Berlin kamen. Dank einer weiteren Teamerweiterung konnte querstadtein sein Modell auf einen weiteren Themenbereich anwenden: seit April 2016 zeigen nicht nur Obdachlose, sondern auch Geflüchtete ihr Berlin. Sie berichten von den Hintergründen ihrer Flucht und den Wegen, die sie seither in der Hauptstadt genommen haben. Für dieses Projekt wird querstadtein von der Bundeszentrale für Politische Bildung als Modellprojekt gefördert.

 

Geflüchteter Samer zeigt sein Berlin klein

 

Mit ihrer Initiative haben Katharina Kühn und Sally Ollech einen großen Beitrag gegen Stereotypisierung und für Respekt und Toleranz geleistest. Dass ihr Projekt querstadtein nach vier erfolgreichen Jahren nun über einen Generationswechsel des Vorstands hinaus bestehen bleibt, ist eine weiterer beeindruckender Verdienst. Der Engagementpreis gratuliert herzlich und wünscht querstadtein viel Erfolg auf all seinen Wegen!

Die komplette querstadtein Präsentation finden Sie hier:

querstadtein folien screenshot

Zum Weiterlesen:

Zitty: 24 Stunden überleben auf der Straße

 

 

 

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