Nächste Integrationsherausforderung in Lüneburg

Das Lüneburger Bündnis „Hochschule ohne Grenzen“ eröffnet Bildungschancen für Flüchtlinge. In einem Brückenstudium erbringen Geflüchtete auch ohne gesicherten Aufenthaltsstatus Prüfungsleistungen, die sie in einem späteren Studium anrechnen lassen können. In einem Willkommenszentrum bietet das Bündnis Arbeitsräume in der Lüneburger Innenstadt, in denen geflüchtete Studíerende an den Online-Studienangeboten der Kiron University teilnehmen können. Außerdem organisieren die aktuellen Engagementpreisträger ein Gasthörerprogramm  für Geflüchtete. Jetzt steht die Stärkung der Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen an:

„Offene Bildungszugänge für alle Bürger/innen sind die Schlüssel zu einem guten Leben in unserer Gesellschaft. Die dahinter stehenden Frage, wie wir solche Zugänge zum Beispiel zur Hochschulbildung gestalten, wird mit den aktuellen Herausforderungen um eine weitere Ebene komplizierter: Wie können wir nicht nur unterstützende Bildungsangebote einrichten, sondern auch Antworten auf die unterschiedlichsten nicht mit unserem Bildungssystem konformen Bildungshintergründe der Geflüchteten aus gerade geflohenen Kriegsregionen finden? Antworten darauf können und wollen wir in Lüneburg nicht alleine finden und rufen deshalb für dieses Jahr zum Erfahrungsaustausch mit anderen in der Willkommen- und Integrationsarbeit aktiven Regionen auf!

Rückblick

Unsere Bündnisarbeit an der Lüneburger Leuphana Universität, die schon vor dem großen Zuzug im letzten Herbst begann, ist konkret für das laufende Jahr 2016 von der Motivation geprägt, gleichzeitig eine neuartige Netzwerkorganisation zwischen Universität, Willkommensarbeit und Stadt aufzubauen und die Weiterentwicklung der Bildungsangebote an die Situation der Geflüchteten anzupassen und nicht andersherum – ein kleiner Ausschnitt aus über 17 Projekten von mehr als 10 Organisationen: Im Wintersemester studierten 60 Geflüchtete offiziell im Gaststudienprogramm „Open Lecture Hall“ sowie dem neuen „Bridging Program“, in dem Prüfungsleistungen abgelegt werden, die für ein späteres reguläres Studium anrechenbar sind. Dieses Herzstück unserer Arbeit, von 2 studentischen und einer halben Stelle administrativ unterstützt, wird flankiert von konventionellen Sprachkursen des universitären Sprachlernzentrums sowie ehrenamtlichen Sprachlerntandems, die neuerdings auch in der lokalen Notunterkunft angeboten werden. Damit reagieren wir auch auf das neue Vakuum der Asylpakete, denn die dort untergebrachten Gruppe dürfen keine staatlichen Integrationsangebote beziehen, weil sie noch nicht registriert sind oder der „falschen Nationalität“ angehören – dennoch leben sie seit Monaten unter uns und haben keine Aktivitäts- und Lernmöglichkeiten geschweige denn Kontakte zur Integration. Unser manchmal von Extern  als unkonventionell bewerteter Bündnisansatz, ehrenamtliche und institutionelle Willkommensarbeit gemeinsam zu koordinieren und weiterzuentwickeln, konnte dieses Vakuum füllen und gleichzeitig neue Möglichkeiten der Stadtentwicklung finden: Einen weiteren Integration- und Bündnismeilenstein bildet das im Oktober eröffnete „Welcome&Learning Center“ zwischen Notunterkunft, Gemeinschaftsunterkünften und Bahnhof: Auf 140m² haben wir ein interkulturelles Gemeinschaftszentrum aufgebaut, in dem Geflüchtete und Ehrenamtliche gemeinsam Sprachlernkurse, freies W-Lan, Lerncomputer, Musik- und Frauengruppen organisieren.

 

Ausblick auf eine überregionale Zusammenarbeit

Die letzten Monate zeigten, dass eine ganzheitliche Integrationsarbeit das Zusammenwirken aller aktiven Menschen und notwendigen Bildungsorganisationen einer Stadt verlangt: von dem Aufbau nachhaltiger Ehrenamtsstrukturen bis hin zu der nun stattfindenden Vernetzung mit den Handwerksverbänden und Handelskammern, um die Durchlässigkeit zwischen Studium, Arbeit und Ausbildung zu ermöglichen – ein oft geäußerten Wunsch vieler Geflüchteter.

Diese neuen kommunalen Wege wollen wir gemeinsam mit anderen Regionen, Städten, Initiativen und Bildungseinrichtungen entwickeln und laden deshalb zum Erfahrungsaustausch ein: Wie habt Ihr/haben Sie Geflüchteten Perspektiven vor Ort in der Sprachbildung, der interkulturellen Begegnung, Zugängen zum Studium oder zur Arbeit ermöglicht? Wie wurde Geflüchteten erschwingliche Mobilität ermöglicht? Wie können oder konnten alle Geflüchtete erreicht werden? Und mit welchen organisatorischen und finanziellen Mitteln? Was für eine gegenseitige Unterstützung ist notwendig? Wir rufen auf zur Vorbereitung eines Austauschs mit Perspektive!

Dafür erstellen wir nun unsere Homepage. Zudem sind unsere nächsten Stationen im Frühjahr neben der gerade stattgefundenen „International Conference of Refugees and Migrants“ in Hamburg u.a.:

18./19.03.: „Hello Festival“ von Ashoka Deutschland in Berlin

08.04.: „Responsible University Symposium“ der Leuphana Universität zusammen mit dem Stifterverband in Lüneburg

27.-29.04.: Open Space-Tagung „Hochschule und Migration“ des Netzwerks „Bildung durch  Verantwortung“ in Lüneburg

Tba: ein selbst organisiertes Arbeits- und Netzwerktreffen Mitte des Jahres“

Kontakt:

Tom Schmidt, Bündnissprecher: buendnis.hog@leuphana.de

Lüneburg, 20. März 2016

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